75 Jahre Maria Hilf
Am 3. Mai 1951 – vor 75 Jahren – wurde die Kirche Maria Hilf in der Rebstöcker Straße im Frankfurter Stadteil Gallus durch Bischof Dr. Wilhelm Kempf geweiht. Eine sehr besondere Kirche, die nach wie vor unterschiedliche Reaktionen bei Menschen, die sie das erste Mal betreten, hervorruft. Zum Beispiel wird öfter gefragt, ob das eine evangelische Kirche ist, da sie ja so „nüchtern“ sei. Dieser Begriff „nüchtern“ fällt sehr oft. Auch die Assoziation „Fabrikhalle“ wird immer wieder genannt.
Zum Kirchenbau
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1950 wurde der Bau der Kirche von den Architekten Alois Giefer und Hermann Mäckler begonnen, in Zusammenarbeit mit dem Künstler Hans Leistikow, der die Fenster und die Altarwand gestaltete.
Der Bau einer neuen Kirche wurde erforderlich, da die von Martin Weber 1933 errichtete Notkirche 1944 im Krieg zerstört wurde und die zwei folgenden kleinen Provisorien nur Notlösung und Übergang waren.
Dieses Provisiorium sollte nun mit dem Bau der Maria Hilf Kirche enden. Das Besondere an ihr ist, dass sie ein Bau aus der damaligen Zeit, der Nachkriegszeit ist und im Baustil eben kein Rückgriff auf eine vergangene Epoche. Der Eindruck „Fabrikhalle“ war so durchaus gewollt. So schrieb Pfr. Franz Wagenhäuser, der Bauherr kraft Amtes in der Chronik der Pfarrei (1960):
Unsere Aufgabe als Christen ist, die technische Bauweise hereinzuholen und aus der Werkhalle, dem mit modernen technischen Mitteln überspannten Raum, der die erste Anwendung modernen Bauens darstellt, ebenso die Kirche zu gestalten, wie es frühere Zeiten mit der römischen Basilika vermocht haben.
Zum Kircheninneren
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Hans Leistikow nahm in seiner Gestaltung der Chorwand und der Fenster das Bilderverbot des 1. Testaments auf. Die Chorwand besteht aus Dreiecken in Gold-, Gelb- und Grautönen, die je neue, größere Dreieicke bilden, je nach Blickwinkel. Dabei weist das Gold auf Gott hin. Die Altarwand wirkt wie ein Vorhang, hinter dem sich die Unendlichkeit befindet – oder Gott im Leben der Welt! In dem großen Altarfenster der Nordwand, Leistikows größtem Fenster, sind diesselben Farben verwandt. Die Worte sind Zeilen aus der Lauretanischen Litanei.
Eindrucksvoll ist auch das Kreuz am Baldachin über dem Altar, von Städelprofessor Hans Mettel: der gekreuzigte Christus ist als König dargestellt, er ist der Auferstandene!
Bemerkenswert war, dass der Altar als ein freistehender verwirklicht wurde, viele Jahre vor dem 2. Vatikanischen Konzil, im Geist der liturgischen Bewegung. So konnte in späteren Jahren die Eucharistie zu den Mitfeiernden hin wirklich als gemeinsames Geschehen gefeiert werden.
Im Laufe der Jahre wurde der Innenraum der Kirche aus- und umgestaltet. Ein Kreuzweg von Herbert Heinisch kam in den 60er Jahren hinzu, mit dem durchgängigen Rot, das für Jesus steht und nach der Kreuzigung in die Welt übergeht. Und mit der Besonderheit der 15. Station, dem leeren Grab mit dem Engel.
In die Seitenkapelle mit dem Tabernakel, wurde ein Fenster des Glaskünstlers Johannes Schreiter eingefügt.
Für manche Gemeindemitglieder damals war es schwierig, dass Anfang der 80er Jahre ein 2. Altar in die Mitte der Kirche gestellt und die Bänke von drei Seiten darum gruppiert wurden, so dass die Feier der Eucharistie noch mehr als gemeinschaftliche und gemeinschaftsstiftende Feier im Sinne des 2. Vatikanischen Konzils erfahrbar wurde.
Die Gemeinde Maria Hilf hatte und hat weltkirchliche Verbindungen und auch das ist in der Kirche sichtbar. Ende der 90er Jahre malte der brasilianische Künster
P. Ruberval Monteiro drei Mariendarstellungen speziell für die Maria Hilf Kirche. Sichtbar ist das durch die Dreiecke, die er in alle Bilder in unterschiedlicher Farbgebung integrierte.
2011 kam dann eine Statue der „Maria von der immerwährenden Hilfe“, der Patronin der Kirche, aus Kamerun dazu, Zeichen der Partnerschaft mit der St. Michaels Schule und Gemeinde in Meluf, Kamerun.
Auch wenn die Kirche durch diese Ausgestaltungen bereichert wurde, bleibt der Eindruck, den Pfr. Franz Wagenhäuser in der Chronik festgehalten hat:
Diese Kirche ist ein Bekenntnis zur Armut und den Bauformen unserer Tage und zu der heute tatsächlich gegebenen Stellung der Kirche mitten in einer fremden Welt. Sie ist klar und schlicht und verzichtet, besonders im Äußeren, auf jede Repräsentation. Sie ist nur Zelt für die zur Feier der Liturgie versammelte Gemeinde.