Gemeinsam nach Wegen suchen.
Viele Menschen kennen Sie seit Jahren. Würden Sie sich für die Menschen vorstellen, die Sie noch nicht kennen?
Ich bin geboren und aufgewachsen in der kleinen Stadt Strazske in der Ostslowakei mit ca. 5000 Einwohnern. Nach einer Ausbildung im Hotelmanagement habe ich an der Ökonomischen Fakultät der Technischen Universität Wirtschaft studiert. Nach dem Hochschulabschluss war ich ein Jahr im Zivildienst und bin dann ins Priesterseminar in Košice eingetreten. Im Juni 2008 bin zum Diakon geweiht worden und ein Jahr später im Juni 2009 zum Priester. Nach drei Jahren meiner Tätigkeit als Kaplan im Bistum Košice kam ich im August 2012 nach Deutschland. Hier in Frankfurt habe ich mit dem Lizentiatsstudium an der Hochschule St. Georgen begonnen. Ein Jahr lang habe ich in der Pfarrei Königstein mit den Gottesdiensten ausgeholfen. Seit 2014 habe ich als Pfarrer die Slowakische Gemeinde übernommen und seit 2015 bin ich als Priesterlicher Mittarbeiter in der neuen Pfarrei St. Hildegard tätig, vorher im pastoralen Raum Gallus-Maria Hilf-Pius.
Sie verlassen die Pfarrei St. Hildegard, wohin brechen Sie auf?
Im Oktober 2024 habe ich ein Angebot von meinen Bischof erhalten, für die Slowakische Bischofskonferenz zu arbeiten. Es war für mich nicht so einfach diesen Schritt zu gehen. Nach langer Überlegung habe meine Entscheidung getroffen und werde ab dem 1. Juli 2025 als Leiter des Generalsekretariats der Slowakischen Bischofkonferenz tätig sein. Diese neue Aufgabe bringt auch neue Herausforderungen für mich mit sich.
Wenn Sie auf die Entstehung und Entwicklung unsere Pfarrei St. Hildegard zurückblicken: was ist die Wichtigste noch vor uns liegende Aufgabe?
Von Anfang an war ich bei der Fusion der neuen Pfarrei St. Hildegard dabei. Es war für die Gemeinde und alle pastoralen Mitarbeiter kein einfacher Vorgang. Nach zwei Jahren habe ich immer noch das Gefühl, dass wir noch am Anfang sind. In der Pfarrei sehe ich sehr viel Potenzial. Ich denke aber, wir müssen unsere Kräfte, ob ehrenamtlichen oder hauptamtlichen effektiver nutzen, vielleicht mehr binden, sich weniger auf Quantität und mehr auf die Qualität konzentrieren, um die Sakramente, die Vorbereitungen und Feiern und die Gottesdienste attraktiver zu gestallten.
Wenn ich an unsere Kirchen und pastorale Räume schaue, haben wir viel Investitionsbedarf aber wenig Geld… wir müssen genau schauen was wir, die Menschen in der Pfarrei, brauchen und vielleicht die Kirchen reduzieren…
Meine Vorstellung wäre: lieber einen richtig attraktiven Ort, eine Kirche zu haben, als mehrere, wo sich keiner richtig gut fühlt. Alles schaffen wir nicht, dafür haben wir zu wenig Geld und auch zu wenig Personal.
Und noch eines: die Ehrenamtlichen, die Gläubigen, sollen mehr Verantwortung übernehmen.
Was nehmen Sie aus der Pfarrei St. Hildegard bzw. aus Frankfurt mit, was wird Ihnen als besonders wertvoll in Erinnerung bleiben?
Die Pfarrei St. Hildegard ist sehr spezifisch. In einer europäischen Metropole, an einem Ort, haben einheimische Menschen mit Menschen aus vielen Nationen und Kulturen ihr zu Hause gefunden. Ich habe fast immer offene Menschen getroffen mit denen ich meinen Glauben teilen konnte. Diese bunte, interkulturelle, offene Gemeinde wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Kirche kann ein zu Hause sein für alle.
Die Welt wird politisch und militärisch rauer, jahrzehntelang gewohnte Gleichgewichte geraten ins Wanken. Millionen von Menschen weltweit sind auf der Flucht. Wie können in dieser Welt Spiritualität und Einkehr erhalten bleiben und wie können wertebasierte gesellschaftliche Ordnungen überleben?
Sehr schwierige Frage. Ganz oft suche ich nach einer Antwort. Immer wenn ich so pessimistisch Welt sehe, denke ich, Gott hat es in seinen Händen. Ich kann nicht die Welt verändern, aber da wo ich lebe und arbeite kann ich immer Hoffnung erwecken, durch meine Taten und Gebet. Ich möchte Gott nie aus dem Blick verlieren und ihm vertrauen. Das Evangelium, Frohe Botschaft, hat immer was, was mich und die Menschen inspirieren kann und Orientierung gibt. In schwierigen Zeiten ist es wichtig Gemeinschaft zu haben und gemeinsam nach Wegen suchen.
Herr Pfarrer Sabados, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen für Ihre Zukunft alles Gute !
Das Gespräch führte Benedikt Weyer.